Mann und Mädchen


Sie sieht jung aus. Achtzehn vielleicht, genau richtig. Schlank, ich mag die Dicken nicht, sie müssen knackig sein. Lange Haare, das ist gut. Der Blick verlegen, weg von mir. Der Pullover steht ihr, ist bestimmt ihr Lieblingsteil. Der Stoff ist schon etwas älter, ich sehe unten Schäden im Gewebe, wenn die Straßenbahn um die Ecke fährt und sich ihre Jacke ein Stück öffnet. Geheimnisvoll wirkt das, nein, verheißungsvoll. Wie sich das wohl anfühlt, der Pullover auf der nackten Haut? Sicher kratzt er ein wenig, das genießt sie, es ist wie ein Streicheln. Junge Mädchen tragen meistens keine Unterhemden, das weiß ich ganz genau. Sie hat eine große Tasche dabei. Da könnte vielerlei drin sein: Vielleicht Nachtwäsche. Eine Zahnbürste, Wechselwäsche, Reizwäsche. Es erregt mich, darüber nachzudenken. Vielleicht ist sie zu Hause los, hat sich verabschiedet und wird nun ein paar Tage lang nicht vermisst. Wo sie wohl hin will? Zu ihrem Freund, zu ihrer Freundin? Die wissen sicherlich gar nicht, dass sie kommen will. Streit daheim; eine Affekthandlung, schnell weg von zu Hause, meine Freundin wird mich schon aufnehmen. Oder mein Freund. Was muss das für ein Blödmann sein, er verdient so eine Schönheit gar nicht. So eine Frau holt man ab. Auf einer Straßenbahnfahrt kann allerlei passieren. Wenn ich eine Freundin hätte wie diese, würde ich sie immer heimbringen.

Sie sieht demonstrativ weg. Woran sie wohl denkt? Ich sitze ihr gegenüber und betrachte die zarte Haut. Wie Seide, ich muss mich beherrschen, um sie nicht anzufassen. Hier sind zu viele Leute. Sie schaut mich an, da ist mein Spiegelbild in der Scheibe. Ich lache innerlich. Doch ganz interessant, der Alte dir gegenüber, oder? Hast du schon mal einen Mann gehabt, will ich fragen. Einer, der dich zur Ruhe gebracht hat? Ich fühle mich gut. Wie zufällig berührt mein Schuh ihr Bein.

Sie springt auf. Die Haare hängen über ihr Gesicht; beiläufig streicht sie sich eine Strähne hinters Ohr. Ihr Blick flattert eine Viertelsekunde zu mir. Sie dreht sich um und drückt den Halteknopf.

Plötzlich mache ich mir Sorgen. Was will sie hier, an diesem Bahnhof? Direkt dahinter ist es nachtschwarz mit vielen kaputten Straßenlaternen, alten Fabrikgebäuden und stummen Bäumen, ich kenne mich aus. Was, wenn sie dort entlang gehen wird? Gefährlich, viel zu gefährlich. Ich hab doch Zeit, oder? Erregung erfasst meinen ganzen Körper, ich springe gerade noch rechtzeitig aus der Bahn.

Ich gehe direkt hinter ihr. Besser, ich bringe sie nach Hause. 

 

 

 

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